Fr

17

Apr

2015

Chinesische Investoren beleben den Markt

Vor Investoren aus China muss niemand bange sein. Es gibt viele erfreuliche Beispiele, dass alle Partner von der fernöstlichen Investitionsbereitschaft profitieren können.


Der italienische Reifenhersteller Pirelli wurde in einem 7,1 Milliarden € schweren Geschäft von einem chinesischen Unternehmen übernommen. Chinesische Unternehmer drängen nach Europa. China will sich von der "Fabrik der Welt" zum Investor und Mitspieler auf anderen Märkten im Ausland wandeln.

Dazu passt die von Chinas Präsident Xi Jinping bei der BOAO-Konferenz auf der Insel Hainan verkündete neue Seidenstraßen-Strategie in der Version für das 21. Jahrhundert. Vorerst wurde dafür ein chinesischer Fonds im Wert von stattlichen 40 Milliarden US-$aufgelegt. In der ersten Phase wird eine Hochgeschwindigkeitsbahn errichtet, die von Piräus direkt nach Budapest führen soll. Das neue Hafenprojekt in Piräus ist Teil dieses Vorhabens. Die Inbetriebnahme ist bereits für 2017 vorgesehen.

In der Folge sollen weitere Infrastrukturmaßnahmen Asien mit Europa verbinden. Der Bau einer Autobahn vom Hafen in Montenegro bis nach Zentraleuropa gehört dazu. Österreich kann dabei eine wesentliche Rolle spielen. Die traditionell gute Wirtschaftsbeziehung beider Staaten zueinander wird dazu beitragen. Wien könnte die Drehscheibe für die Weiterführung in andere europäische Länder, insbesondere Osteuropa, sein. Das neue Projekt soll von chinesischer Seite vorfinanziert, die Infrastruktur erstellt und die Autobahn anfangs eigenständig betrieben werden. Nach einem Zeitplan, der ausverhandelt werden muss, soll der Betrieb an die Durchzugsstaaten übergeben werden. Der Staatsbesuch von Präsident Fischer fand gerade rechtzeitig statt, um sich in das Projekt einzubringen.


Exzellente Unternehmen


Österreich könnte tatkräftig mithelfen, Länder aus Ost-, Zentral und Südosteuropa im Projekt zu vereinen. Österreich bietet auch wirtschaftlich, wonach die Chinesen suchen: technisch exzellente Unternehmen, die in ihrer Nische oft Weltmarktführer sind. Bei dem Ziel, eine größere Wertschöpfung zu erbringen, kommt den chinesischen Investoren der Einstieg bei spezialisierten österreichischen Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Chipindustrie oder deren Zulieferbranchen gelegen. Großes Interesse besteht aber auch am Hotelsektor bis zu Repräsentationsobjekten in der Fünf-Sterne-Kategorie. Die in der österreichischen Öffentlichkeit weit verbreitete Skepsis gegenüber chinesischen Investoren ist nicht angebracht. Beispiele erfolgreicher Beteiligungen haben erwiesen, dass die neuen Unternehmer Interesse daran haben, die Facharbeiter und Techniker zu übernehmen, und bereit sind, Arbeitsplatzgarantien zu vereinbaren. Auch das Vorurteil, dass Chinesen nur darauf aus sind, vorhandenes Know-how abfließen zu lassen, ist inzwischen widerlegt. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung über chinesische Direktinvestitionen in Deutschland belegt, dass die Chinesen es meist vorziehen, Arbeitsplätze zu sichern, statt Jobs in die billigere Heimat zu verlagern. Seit Einführung des Arbeitsvertragsgesetzes in China sind die Löhne dort erheblich gestiegen, sodass es auch wirtschaftlich weniger interessant ist, Arbeitsplätze zu verlegen.


Daher ist der österreichischen Wirtschaft anzuraten, ihre Vorurteile abzubauen und die Chancen der Marktbelebung durch chinesische Investoren zu forcieren. Die gegenwärtige Zeit ist wegen des um 30 Prozent gegenüber dem Renminbi gefallenen Euro für Investoren aus dem Fernen Osten besonders attraktiv.

Nach Ansicht von Experten wird in der neuen EZB-Ära die Kapitalflucht aus der Eurozone noch nie da gewesene Dimensionen erreichen. Umso mehr ist es notwendig, sich investitionsfreudigen chinesischen Unternehmern nicht zu verweigern.

Autor:

Dr. Georg Zanger, M.B.L-HSG

Rechtsanwalt,

Präsident, ACBA

 

(Der Artikel wurde im WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, am 2015-04-15 veröffentlicht)

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