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27

Mai

2015

Globale Wirtschaftspolitik mit neuem Wind – Gründung der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB)

Die Gründung der AIIB in Peking, Oktober 2014 (Bild: Reuters)
Die Gründung der AIIB in Peking, Oktober 2014 (Bild: Reuters)

Trotz ungelöster Finanzkrisen ist die Entstehung der G20 die einzige institutionelle Maßnahme, die seit 2007 für das Ziel einer besseren Lösung internationaler wirtschaftlicher Fragen umgesetzt wurde. Die Mitsprache der G20 fällt allerdings noch weit hinter die Macht der G8 zurück und selbst diese Erweiterung auf 20 kann die stets steigende Komplexität benötigter Antworten nicht ausreichend widerspiegeln.

In gleichem Maß sind auch die beiden Hauptinstitutionen der internationalen Wirtschaftspolitik, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) de facto nicht ausreichend multilateral organisiert. 2009 wurde der der IWF noch mit zusätzlichen 1000 Milliarden Dollar versorgt, um die Krise im Euroraum besser aussteuern zu können, jedoch wurde auch an diesem Punkt ein strategischer Umgang mit China und Asien vergessen. Die Stimmrechte im IWF entsprechen den Geldeinlagen der Mitgliedsstaaten, sodass die USA bereits die Sperrminorität (14%) überschreiten:

  • 45,5% der Stimmrechte im IWF entfallen auf Länder, die G8 und G20 angehören; bereits 16,75% auf die USA.
  • 31,4% der Stimmrechte nur noch auf reine G20-Länder; dezente 3,81% auf China. Chinas Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung liegt hingegen bei 16%.
  • Die verbleibenden 23,1% der Stimmrechte entfallen auf die restlichen 169 Länder.

Bereits in den letzten Jahren stand der IWF in Konkurrenz zu neuen internationalen Organisationen. Seit 2010 gibt es den Asiatischen Währungsfonds und zahlreiche vom IWF wenig geschätzte Gläubiger, wie afrikanische Staaten, borgen sich ihr Geld auch direkt von China.


Auch die Weltbank glänzt weder durch innere noch äußere Reformen und ihre magere Bilanz im Kampf gegen die weltweite Armut wird noch durch Ihre politische Kreditpolitik unterboten. Traditionellerweise ist der Vorsitz in der Weltbank den USA zugeschrieben, während der Generaldirektor des IWF den Europäern zusteht. Und die Asiatische Entwicklungsbank führt immer ein Japaner.


Nun wollte China nicht länger warten – Zeit hätte hier wohl auch nicht geholfen – und gründete 2013 mit der AIIB eine eigene Infrastrukturbank, die Ende 2015 voll operativ sein wird. Mitte April 2015 hatten bereits 57 Gründungsmitglieder ihre geplante Teilnahme zugesagt. Die ACBA unterstützte auch diese Teilnahme Österreich ausdrücklich.


Die teilnehmenden Staaten erwarten Zugang zu lukrativen Ausschreibungen. Investitionsprojekte sollen vor allem Infrastrukturprojekte und Industrie in Asien sein, besonders liegt das Schwergewicht auf Energie, Transport, Telekommunikation, ländlicher Entwicklung, Wasserversorgung und Umweltschutz. Eine Studie der ADB (externer Link, pdf) beziffert das zu erwartende Volumen mit 8 Trillionen USD zwischen 2010 und 2020, wovon 68% in neue Kapazitäten investiert würden. 51% entfielen für Energie, 29% für Transport und 13% für Telekommunikation. Beispiele dafür sind die neue Seidenstraße (siehe unser Jahresbericht 2014), Häfen in Indonesien, Pakistan und auf Sri Lanka oder ein neuer Hochgeschwindigkeitszug, der Yunnan westwärts mit Myanmar und südwärts mit Singapur über Vientiane verbinden wird.


Die AIIB fokussiert auf eine schlanke Verwaltung, spricht sich für ökologisch gut balancierte Projekte aus und implementiert massive Antikorruptionsmaßnahmen.

Peking wird die Hälfte des Gründungskapitals von 100 Milliarden US-Dollar zeichnen.


Etwa 150 Unternehmen aus Österreich produzieren in China und 2014 exportierte Österreich Waren im Wert von 3,4 Milliarden € nach China. Mit einem Fuß in China werden diese Unternehmen besonders vom österreichischen Engagement in der AIIB profitieren können. Die ACBA erwartet aber auch für Firmen, die bis jetzt keine Geschäfte mit China führten, signifikante Möglichkeiten.

Autor:

Peter Buchas, BSc, ME

Unternehmensberater 

Finanzvorstand, ACBA

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