Chinas Elektroautos könnten westliche Automarken erschüttern

Sind die Tage des Verbrennungsmotors in China gezählt?
Sind die Tage des Verbrennungsmotors in China gezählt?

In Peking hat der gefährliche Feinstaub vorübergehend fast das Zwanzigfache des Grenzwerts erreicht. Sind die Tage des Verbrennungsmotors gezählt?

 

China setzt seit etwa zehn Jahren massiv auf das batteriegetriebene Elektroauto. Das Motiv: Man will einen weltweit erfolgreichen Autokonzern schmieden. Bei der Benzintechnologie kann das nicht gelingen, weil der Vorsprung der Etablierten zu groß ist. Bei einem Siegeszug des Elektroautos könnte China jedoch eine führende Rolle spielen.

Vor allem in den Riesenstädten der Volksrepublik soll der Smog bekämpft werden. Die Produktion von E-Autos ist deshalb auch ein wesentlicher Teil der Agenda des neuen Fünfjahresplans, der gerade in Peking beschlossen werden soll. Das sollte Grund genug sein für die chinesischen Behörden, noch schneller Restriktionen gegen Autos mit Verbrennungsmotor zu erlassen – und für die Autofahrer, schneller auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.

Infrastruktur verbessern

Vorläufig ist die Nachfrage trotz Förderungen noch schleppend. Der Hauptgrund für die Kaufzurückhaltung der Chinesen ist – wie in Teilen Europas – die mangelnde Infrastruktur. Anders als bei Rollern, für die es für nur ein paar Renminbi in vielen Straßen Shanghais kleine gelbe Ladeboxen gibt, mangelt es an Stromtankstellen für Autos. Dem Beispiel von Amsterdam folgend ist jetzt geplant, ein die ganze Stadt durchziehendes Elektroanschlusssystem zu entwickeln, damit an jeder Straßenecke Ladestationen stehen.

Batterieaufladestrom

Die Reichweite von derzeit rund 150 Kilometer – bei idealen Bedingungen ohne Zusatzaggregate wie Klima, Heizung – genügt nicht, um normale Endkunden zu überzeugen. Dazu kommt, dass niedrige Außentemperaturen die Betriebsdauer um bis zur Hälfte reduzieren. Die chinesischen Entwickler sind aber optimistisch und überzeugt, mit einer neuen Technologie eine Leistungsstrecke von bis zu 1000 km zu erreichen.


Solange der Strom zum Betreiben des Elektrofahrzeuges ausschließlich aus Kohlekraftwerken verwendet wird, wird sich die Treibhausgasbilanz nicht wesentlich verbessern. Lithium-Luft-Batterien gelten deshalb als Zukunftshoffnung der Elektromobilität. Unter anderem bieten sie eine rund zehnfach höhere Speicherkapazität. Britischen Forschern der Cambridge-Universität könnte nun ein Durchbruch gelungen sein.

Sieben Millionen bis 2020

Zhi Hui von der CECEP (China Energy Conservation and Environmental Protection Group) führte am 30. Oktober 2015 beim 6. Meeting des seit 2011 eingerichteten EU/China Industrial Policy Dialog aus, dass in China bereits verschiedene Industriezweige breit gestreut an der Entwicklung von Elektromotoren arbeiten. Die Provinz Guangdong im Süden Chinas sei bei der Entwicklung führend. China lerne aus den Erfahrungen anderer Staaten, vor allem der USA und entwickle deren Ergebnisse weiter. Er erwarte, dass in den nächsten fünf Jahren etwa sieben Millionen Elektrofahrzeuge in China zugelassen werden.


Die ersten chinesischen Modelle wie der Prototyp Youxia X stehen in den Startlöchern. Anfang November war bei „Bloomberg Business“ zu lesen, dass die Fa. Faraday Future, ein bislang nur in Insiderkreisen bekanntes Unternehmen, in den USA plant, mit chinesischem Geld ein Produktionswerk zu bauen, in dem bereits ab 2017 Elektroautos vom Band laufen sollen. Geleitet wird das Unternehmen vom ehemaligen Tesla-Direktor Nick Samson, der dort vor allem für das Fahrwerk zuständig war.

Wegweisend

Sollte die chinesische Regierung anordnen, dass – zunächst – in einzelnen Städten wie Shanghai und Peking z. B. in zehn Jahren keine Nummernschilder mehr an benzin- und dieselbetriebene Autos vergeben werden, kommt die Autoproduktion bei uns in ernste Bedrängnis: Wer kauft dann in China noch solche Autos, die er dann nicht mehr weiterverkaufen kann? Es wäre an der Zeit, uns darauf einzustellen. Sonst geht es den Marken Volkswagen, BMW und Mercedes so wie der Fa. Kodak: In einigen Jahren wissen jüngere Bürger nicht mehr, wofür diese Marke einmal gestanden ist.

Autor:

Dr. Georg Zanger, M.B.L-HSG

Rechtsanwalt,

Präsident, ACBA


(Der Beitrag erschien im "Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 02.12.2015)

http://wirtschaftsblatt.at/home/meinung/gastkommentare/4878624/Chinas-Elektroautos-konnten-westliche-Automarken-erschuttern

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