Mi

23

Mär

2016

„Nur wenn wir Vergangenheit haben, haben wir eine Gegenwart“ – Helena Chang interviewt Prof. Wolfgang Kubin

Wolfgang Kubin mit Helena Chang (Foto: Bacopa Verlag)
Wolfgang Kubin mit Helena Chang (Foto: Bacopa Verlag)

Prof. Wolfgang Kubin, der große deutsche Sinologe, Hochschullehrer und Literatur-Übersetzer, der nunmehr seinen Lebensmittelpunkt in Beijing hat, spricht im Interview mit Mag. Helena Chang, ACBA, über seine eigene schriftstellerische Tätigkeit:

 

 

"In jungen Jahren hörte ich von der Mär, man solle sein Geschriebenes zwanzig Jahre ruhen lassen, ehe man es der Öffentlichkeit anvertraue. In meinem Falle wurden daraus bald fünfzig Jahre. Und es wären vielleicht fünfzig weitere Jahre geworden, wenn nicht der chinesische Dichter Yang Lian, einst Peking, heute Berlin, und mein österreichischer Verleger Walter Fehlinger (Bacopa) mich gemahnt hätten, aus der Schublade zu holen, was der Schublade über die Jahrzehnte ein stilles, aber anscheinend ein dankbares Gedächtnis war. Hat sich die Aufarbeitung meiner Vergangenheit in vier Bänden meines frühen Werkes gelohnt? War ich nicht im Emsland Der Mann im Zimmer, nährte ich nicht in der Kulturrevolution eine Abgründige Erleuchtung, litt ich nicht in den Berliner Jahren an dem Gleichgewicht der Unruhe, hing ich nicht wie alle Idealisten einer Konstruktion des Affen nach? Und nun sollen dreißig, vierzig, ja fünfzig Jahre Schreiben auf einmal in die deutsche und in die chinesische Gegenwart treten? Ich bin also eine Geschichte, eine Geschichte aus anderen Geschichten. Ja, wer wäre das nicht, wer sollte das nicht sein? Und nur wenn wir Vergangenheit haben, nur wenn wir uns auf andere gründen, haben wir eine Gegenwart, eine hoffentlich reiche Gegenwart.“ 

 

 Das Interview ist auf Chinesisch zum Download verfügbar via Youtube oder huina.at "访谈65: 汉学家顾彬和他的早期诗歌"

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