Österreichs Weg nach China: Olympische Winterspiele 2022

Wenn Peking davon spricht, die Wirtschaft neu auszurichten, dann spielen neue Geschäftsbereiche und Dienstleistungen eine große Rolle. Eines dieser neu zu bewirtschaftenden Felder ist die Freizeitindustrie, die in China vergleichsweise noch in den Kinderschuhen steckt und durch die olympischen Winterspiele 2022 in China einen massiven Aufschwung erfahren wird.

 

Um Europas Wintersportindustrie in Chinas Entwicklung optimal zu platzieren, hat die ACBA die Arbeitsgruppe Olympia 2022 gegründet, die hiesige Unternehmen nicht nur mit Informationen aus erster Hand unterstützt, sondern auch mit konkreten Lösungen für den Markteintritt beratend zur Seite steht. Wir dürfen Ihnen hier einen kurzen Abriss der Pläne Chinas vermitteln darf.

 

Der Staatsrat gibt als Konkretisierung des 13. Fünfjahresplans folgende Zahlen für den Tourismus vor:

Die Winterspiele 2022 werden in Peking und Zhangjiakou, etwa 100 km nordwestlich von Peking stattfinden. Aktuell benötigt die Reise zwischen den Städten etwa 3-4h, doch wird bis 2020 eine Schnellzugverbindung fertig-gestellt, die ermöglicht, die Distanz in 50 Minuten zu bewältigen. Neben dem Infrastrukturausbau an den Hauptorten der Spiele investiert China massiv in die Entwicklung des Wintersports. 

 

Die Chancen für die Wintersportindustrie können am Beispiel Zhangjiakous, dem Austragungsort der Olympischen Spiele 2016, illustriert werden: Während 2010 noch 10,4 Mio. Touristen das Gebiet besuchten und dabei Konsumausgaben im Wert von 5,8 Mrd. RMB tätigten, gaben im Jahr 2014 bereits 33 Mio. Besucher 23 Mrd. RMB aus. Dies kann als Sogwirkung der Olympischen Spiele verstanden werden und strahlt auf vier Ebenen aus:

  1. Athleten, Wintersporttreibende, Zuschauer und die damit einhergehende Wertschöpfungskette
  2. Stadtentwicklung und Erweiterung des geographischen Netzwerks
  3. Entwicklung der Sportartikel- und Bekleidungsindustrie sowie Etablierung neuer Marken
  4. Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Arbeitsinfrastruktur im Gebiet Peking–Tianjin–Hebei.

Chinas Wintersportentwicklungsplan 2016–2025  gibt die strategischen Entwicklungs-richtungen des gesamten Landes im Bereich Wintersport vor. Die operative Umsetzung unterliegt den regionalen Regierungen, wobei der Umsetzungsgrad des Plans ein Bewertungsziel für die Qualität der Führung ist. Das führt zu einem hohen persönlichen Einsatz der regionalen Politiker, was wiederum Aktivitäten forciert, die zur Zielerreichung beitragen, und damit auch ausländische Investitionen anziehen. 

 

Grundprinzipien des Plans

2022 bringt bedeutende Chancen für die chinesische Gesellschaft. Die Leistungsfähigkeit chinesischer Athleten soll massiv gesteigert werden, der Amateursport umfassend ausgebaut und die Nachfrage medial unterstützt und gesteuert werden. 

 

Die Probleme auf dem Weg dorthin sieht China in den erst rudimentär vorhandenen Trainingsprogrammen, einer Industrie, die in den Kinderschuhen steckt und noch kaum relevante chinesische Marken hervorgebracht hat, einer noch nicht standardisierten Infrastruktur, sowie wenig erfahrenem Trainings- und Servicepersonal. 

 

 

Die strategischen Aufgaben sind somit, junge Menschen für den Wintersport zu begeistern, dem Markt die Führung zu überlassen und gleichzeitig die Koordination durch den Staat zu bewahren – besonders in der Entwicklung der Wintersportresorts und -industrie in Abstimmung mit der Personalpolitik (Bildung, Training, Arbeitsplätze).

Zielsetzungen

  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Chinas: Spitzenathleten, Tourismus, Industrie
  • Bis 2020 soll Chinas Wintersportindustrie 600 Mrd. RMB umsetzen.
  • Bis 2025 soll der Umsatz der Wintersportindustrie bereits 1 Bil. RMB betragen. Die beitragenden Industrien sollen möglichst agglomeriert arbeiten, wobei Modellzonen entstehen sollen: bis 2020 zwei, bis 2025 fünf.
  • Bis 2025 soll es über 50 Mio. Wintersportler und 300 Mio. Winter-sportteilnehmer (auch passive Besucher) geben.
  • Integration diverser Sportarten wie Schifahren, Klettern, Wandern, Camping in Tourismuszonen, die eng mit Hotels, Logistik, Shops, Verleihern und anderen Freizeitunternehmen kooperieren sollen.
  • Städte über 500.000 Einwohner sollen nach Möglichkeit eigene Eislaufringe bauen, die optimalerweise das ganze Jahr genutzt werden können.
  • Bis 2022 sollen 650 Schihallen errichtet werden, wovon 500 Neubauten sind.
  • Bis 2022 sollen 800 Schiresorts entstanden sein mit ca. 30 Mio. m2 und 3.500 km Pistenlänge (2015: ca. 600 Resorts mit 100 Mio m2 und 1.000 km Pistenlänge)  

Entwicklungsrichtung

Die Regionen Peking, Tianjin, Hebei sind Haupttreiber in der Entwicklung. Liaoning, Jilin und Heilongjiang stellen die Basisregionen im Norden. In weiterer Folge sollen Xinjiang und die Innere Mongolei, teilweise auch Westyunnan folgen. Im Jahr 2015 wurden 568 Schiresorts verzeichnet, was einer Ausweitung um 108 (23%) im Vergleich zu 2014 entsprach. 2010 standen erst 298 Gebiete Chinas Schisportlern zur Verfügung .  Zusätzlich werden Schisporthallen im Rest des Landes zur Popularisierung beitragen.

Hauptaufgaben

China sieht die Einbeziehung des Wintersports bereits in die frühe Erziehung als kritisch für ein mittel– und langfristiges Wachstum. Für diesen Zweck wird bis 2018 eine Richtlinie für Wintersporterziehung an Chinas Unis erstellt sein. Die jungen Wintersportfans werden in speziellen Volks- und Mittelschulen ausgebildet, deren Anzahl bis 2020 auf 2.000 und bis 2025 auf 5.000 ansteigen soll. Die älteren Semester sollen in Wintersportklubs Ihre Faszination für den Sport entwickeln.

Fazit für Europas Wintersportindustrie

Pekings Planzahlen zeigen deutlich ein klares Interesse daran, der chinesischen Gesellschaft ein neues, gesundes, aktives Hobby zu vermitteln und die damit verbunden Wirtschaftszweige umfassend aufzubauen.  Heute jedoch kann man noch nicht von den „Massen“ der chinesischen Wintersport-touristen sprechen, genauso halten sich auch die Importzahlen für Wintersportausrüstung noch in überschaubaren Grenzen, wie die untenstehende Grafik darstellt. 

Chancen für europäische Unternehmen bestehen vor allem darin, in dieser frühen Phase der Marktentwicklung wesentliche Schlüsselpositionen zu besetzen, wie zum Beispiel Verleihstationen, Flagship Stores, online-Kanäle und Verknüpfungen mit lokalen Hotels, Reisebüros und Transport-dienstleistungen. 

 

Auch ist die Kompetenz im Trainingsbereich von essentieller Wichtigkeit für China und demnächst stark nachgefragt . Der Aufbau von Wintersportschulen, das damit verbundene Sponsoring und eine starke Verankerung auf lokaler Ebene sind weitere Chancen für ausländische Unternehmen. 

 

Ein Markteintritt muss jedoch die umfassenden Risiken eines jungen Marktes, die taktischen Risiken einer Nation, die zentral gesteuert und lokal aufgebaut wird, und die kulturellen Risiken einer richtigen Marktadaption berücksichtigen.

Autoren

Peter Buchas ist Geschäftsführer von OB|OR Austria und Petz Beratung und unterstützt europäische Unternehmen in China.

 

Janet Mo ist CEO von Zentron Consulting, einem Beratungsunternehmen, das sich auf B2B-Marketing in China spezialisiert hat. 

 

Christopher Mittelstaedt arbeitete sechs Jahre in China und erforscht in Oxford Chinas provinzspezifische Wirtschaftspolitik.