Chinas 13. Fünfjahresplan mit Fokus auf Innovation

Innovation soll als Schwerpunkt für Chinas zukünftige ökonomische Entwicklung gelten und das Land zu einer qualitativ besseren wirtschaftlichen Wachstumsstruktur führen. Das Ziel ist es, eine auf Technologie und Innovation basierende Wirtschaft zu schaffen, und sich von der Massenproduktion, welche bisher die Grundlage der chinesischen Wirtschaft war, zu entfernen, um bis 2020 die Wandlung zu einem innovativen Bollwerk zu vollziehen. Dieses Streben nach Innovation ist trotz des ökonomischen Rückgangs in den vergangen Jahren ungebrochen geblieben. China hat vor, dieses Jahr die Ausgaben im wissenschaftlichen Bereich um 9.1 % auf US$ 41 Milliarden (271 Milliarden Yuan) zu erhöhen, und in der Periode von 2016 bis 2020 mehr in wissenschaftliche Projekte zu investieren.  

„Innovation ist die primäre Kraft um die Wirtschaft voranzutreiben und muss deshalb eine zentrale Rolle in Chinas Entwicklungs-strategie spielen.“, laut der Aussage von Ministerpräsident Li Keqiang. Im Fünfjahresplan stand dieses Thema deshalb auch als erstes zur Diskussion, was noch einmal die hohe Priorität für China verdeutlicht.

Erwartungen für den Zeitraum 2016-2020

Das Land hat gezielte Maßnahmen vorgenommen um die künftige  innovative Entwicklung zu ermöglichen. „Wissenschaft und technologische Innovation sollten immer auch ein wachsames Auge auf Ihre Anwendung haben.“, so Ministerpräsident Li. China hat klare Ziele für die anstehende Periode, um den eigenen Fortschritt in Richtung einer innovationsorientieren Wirtschaft zu lenken und bewerten zu können:

  • Kohleproduktionskapazität um 500 Millionen Tonnen senken bis 2020
  • Energieverbrauch um 15% verringern bis 2020
  • CO2 Emission um 18% reduzieren bis 2020
  • Anstieg der Investitionen in Grundlagenforschung von 5% (US$ 10 Milliarden) in 2015 auf 10% (US$ 34.5 Milliarden) der gesamten Forschungs-& Entwicklungsausgaben bis 2020
  • Erhöhung der Forschungs-& Entwicklungsausgaben von 2.05% des BIP in 2014 auf 2.5% des BIP bis 2020

Vorrangige wissenschaftliche Projekte in Chinas 13. Fünfjahresplan (2016-2020)

Das Ministerium für Wissenschaft und Technologie arbeitete den Plan gemeinsam mit den beteiligten Abteilungen über mehr als 2 Jahre lang aus, um eine Reihe von innovativen wissenschaftlichen und technologischen Vorhaben in die Tat umzusetzen. Durch Forschung in Bereichen wie z.B. der modernen Landwirtschaft, der nachhaltigen und effizienten Energien, Medizin, Neurowissenschaften oder Telekommunikationssystemen soll Chinas Industrie neuer Aufschwung verliehen werden und gleichzeitig eine durch Innovation befeuerte Wirtschaft zum Entstehen gebracht werden. Die Regierung hat die folgenden 10 wissenschaftlichen Projekte mit höchster Priorität für den Zeitraum von 2016 bis 2020 angekündigt:

  1. Nachhaltiger und effizienter Verbrauch von Kohle
  2. Industrielle, medizinische sowie militärische Roboter
  3. Gehirnforschung
  4. Anwendung von Genforschung
  5. Nationale Cyberspace Sicherheit
  6. Anwendung von Big Data
  7. Quanteninformatik und Quanteninformationsverarbeitung
  8. Weltraumforschung im Deep-Space
  9. Tiefseeforschung mit Versuchsplattformen
  10. Neues Arktisches Observatorium und Antarktische Basisstation 

Auswirkungen

Das wirtschaftliche Umfeld wird in Zukunft deutlich durch den neuen Fünfjahresplan beeinflusst werden, da es Masseninnovation begünstigt und neue Business Start-Ups unterstützt. Die Anzahl der technologie-verbundenen Start-Ups und Unternehmen ist in den letzten Jahren bereits erheblich gestiegen, aufgrund von erhöhten Investitionen und größerer Risikobereitschaft der Bevölkerung. Mit fortschreitender Technologie und Innovation sehen wir gute Möglichkeiten im chinesischen Markt für Clean-Tech Firmen, Biomedizin (neue medizinische Geräte), erneuerbare Energien, Next-Generation Informationskommunikation und Industrie 4.0. Dies wird viele Türen des chinesischen Marktes für internationale Unternehmen öffnen, da Investitionen in den Ausbau der Internetinfrastruktur, die Entstehung neuer online Shopping-und Bezahlungsweisen und die rasante Entwicklung von sozialen Netzwerken den Zugang zur gewaltigen chinesischen Kundschaft erleichtern.

 

Abbildung 1. R&D Expenditure by Performer 2014 (Quelle: Nationale Statistikbehörde China; Ministerium für Wissenschaft und Technologie)
Abbildung 1. R&D Expenditure by Performer 2014 (Quelle: Nationale Statistikbehörde China; Ministerium für Wissenschaft und Technologie)

Viele chinesische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren aufgrund des strengen Wettbewerbs auf dem Markt selbst viel in Forschung & Entwicklung investiert, was in Abbildung 1 verdeutlicht wird. Durch Steuerbegünstigungen des neuen Fünfjahresplans sollen die Investitionen noch mehr stimuliert werden, sodass die Unternehmen sich neu erfinden und zur Sicherung nachhaltigen Erfolges, in der Wertschöpfungskette weiter nach oben gelangen können. 2014 kamen mehr als 71% der Forschungs- & Entwicklungsausgaben von privaten Firmen, was eine sehr gute Kennzahl wäre, wenn die gesamten Investitionen mit denen von den USA, Japan oder Deutschland vergleichbar wären. 

 

 

China hat aber noch einen großen Abstand in Bezug auf Investitionen in Forschung & Entwicklung und muss die Geldmenge erhöhen, die in diesen Sektor fließt, wenn es der Konkurrenz voraus sein möchte. Jedoch ebnet die jüngste Entwicklung des ökonomischen Umfeldes, das von Massenunternehmertum und  Innovation geprägt ist, den Weg in ein neues China mit einer von Innovation gesteuerten Wirtschaft.

Autorin

Kristina Koehler-Coluccia: Seit 2003 in der chinesischen Rechts- und Buchhaltungsbranche tätig, berate und vertrete ich westliche Kunden mit ihren Geschäftsinteressen in China. Ich habe sie bei zahlreichen komplexen Transaktionen unterstützt – einschließlich ausländischen Direktinvestitionen, Firmen-strukturierungen sowie Umstrukturierungen aber auch Liquidationen. Des Weiteren habe ich M&A Transaktionen getätigt und unsere Kunden in Steuer-, Finanz-, und Handelsfragen beraten. Nebenbei bin ich außerdem die Autorin des monatlich von der Koehler Group veröffentlichten Magazins „ChinaInvest.biz“ und Autorin zahlreicher anderer Publikationen zu den Themen chinesisches Recht, Wirtschaftsprüfungen und chinesische Geschäftspraktiken. Ich halte weiters regelmäßig Seminare, Vorträge und Webinare bezüglich Unternehmens-einbindung in China.

 

(Der Artikel wurde im ACBA-Jahresbericht 2017 veröffentlicht. Den vollständigen Bericht können Sie hier downloaden.)