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New Energy Vehicles – in Österreich gedacht, in China gemacht – Great Wall Motor lässt bei uns forschen

VV7 ist ein Modell der neuen Marke WEY
VV7 ist ein Modell der neuen Marke WEY von Great Wall Motors

Am 12. Januar 2018 hat Great Wall Motor  in Kottingbrunn südlich von Wien ihr Forschungs- und Entwicklungszentrum eröffnet. Great Wall Motor (GWM) gehört in China zu den erfolgreichsten Marken und zu den erfolgreichsten Automobil­herstellern. GWM hat sich mit den Marken Haval und Wey auf SUVs konzentriert, und damit im letzten Jahr weit über eine Million Fahrzeuge produziert.

GWM betreibt in Österreich mit der Great Wall Motor Austria Research and Development GmbH (GWM-AT) die Entwicklung von Elektroantrieben. Diese Elektroantriebe werden in zukünftigen Batterie-, Hybrid- und Brennstoffzellen-Fahrzeugen eingesetzt. Der Fokus der GWM-AT liegt in der Entwicklung des Elektromotors, der zugehörigen Leistungs­elektronik und Software. Es werden sowohl Vorentwicklung als auch Serienentwicklung abgedeckt.

Für GWM ist dieser Standort in Österreich sehr wichtig, weil man damit von europäischer Technologie profitieren kann. 

Offizielle Eröffnung des Standortes Kottingbrunn im Januar 2018
Offizielle Eröffnung des Standortes Kottingbrunn im Januar 2018

In Europa existiert eine sehr gut etablierte Automobil-Zulieferindustrie. Man tut sich sehr viel leichter, sich mit europäischen Lieferanten in Österreich zu treffen und auszutauschen, als in China. Man tut sich sehr viel leichter, in Österreich die besten Ingenieure für die Elektromobilität zu finden, als in China. Wir werden hier in Österreich einen ent­scheidenden Beitrag zur Entwicklung der New Energy Vehicle (NEV) von GWM leisten und damit einen gewichtigen Anteil zum Erfolg des Konzerns beitragen.

E-Mobilität ist die Ultima Ratio der Mobilität. Es gibt keinen eleganteren, effizienteren und saubereren Weg Fahrzeuge anzutreiben, als mit einem Elektromotor. Ob die Energie elektro-chemisch in Batterien oder in Energieträgern wie Wasserstoff gespeichert wird, ist egal. Der Elektromotor sorgt für den Vortrieb des Fahrzeugs. So wie überall sonst gehorcht die E-Mobilität auch in China den Gesetzen des Marktes und der Regulierung. Es werden sowohl hybridelektrische als auch rein elektrische Fahrzeuge in dieser Reihenfolge als Massenmodelle auf die Straße kommen.

Dies ist eine Entwicklung, die sich sowohl in Europa als auch in China vollzieht. Der Unterschied ist jedoch die Größenordnung, die in China bei weitem jene Europas übertrifft. Außerdem erwarten wir, dass der Umstieg in China auf NEV weitaus schneller erfolgen wird, als in Europa. Das liegt zum einen an dem noch nicht gesättigten Automobilmarkt an sich und andererseits aber auch daran, dass Elektromobilität als strategisches Ziel von politischer Seite stark unterstützt wird.

China ist mittlerweile der weltweit größte Autohersteller mit einer jährlichen Produktion von 28 Millionen Fahrzeugen (Jahr 2016). Das war mehr als zweimal so viel wie die USA. Jedoch sind chinesische Automarken (noch) nicht von europäischen Konsumenten akzeptiert. Dies liegt vor allem daran, dass chinesische Autos auf die Bedürfnisse des chinesischen Marktes abgestimmt und für chinesische Konsumenten spezifiziert sind. In Europa hat man andere Ansprüche zu erfüllen. Sobald Chinesische Firmen Autos nach europäischen Anforderungen entwickeln und bauen, werden sie auch in Europa erfolgreich sein.

Die neue Premiummarke von GWM heißt Wey. Diese Fahrzeuge haben das Potenzial, in Europa erfolgreich zu sein. Man wird sich auf GWM Seite sehr gut überlegen, welchen Aufwand und welchen Nutzen es hat, die Fahrzeuge in Europa anzubieten. Wir sind überzeugt, dass GWM auch in Europa sehr erfolgreich sein wird, sobald man sich dazu entschlossen hat, den Europäischen Markt zu bedienen.

Im Wettbewerb mit chinesischen Marken und unter der Annahme einer erfolgreichen Imple­men­tierung der „Made in China 2025“-Devise, sind europäische Unternehmen gefordert, sich klar auf ihre Stärken zu konzentrieren. Euro­päische Unternehmen haben nach wie vor gute Chancen, am Weltmarkt erfolgreich zu sein, wenn sie gezielt auf Innovation, Technologie und Fortschritt setzen.

Europas Politik könnte unterstützend dabei wirken, den partnerschaftlichen Aufschwung gemeinsam und Hand in Hand mit China zu ermöglichen. Wichtig dabei wäre, die Zusammenarbeit mit China zu intensivieren. Man sollte an gemeinsamen Projekten arbeiten. Europa braucht eine klare Vorwärtsstrategie. Mit China als Partner könnte man auch von Chinas Aufschwung profitieren.

Es besteht die Gefahr, dass Europa weiter an Wettbewerbsfähigkeit einbüßt, wenn nicht wesentliche Veränderungen in Gang kommen.

Wir Europäer müssen als Gesellschaft und als staatliche Organisationen verstehen, dass es unbedingt notwendig ist, Veränderungen und Verbesserungen zuzulassen und zu fördern. Man muss politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen, die es den Menschen und den Unternehmen ermöglichen, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Es muss eine Kultur der Fleißigen gefördert werden, damit alle motiviert sind, Leistung auf ihre Art zu erbringen.

Autor

Dr Markus Schermann, General Manager der Great Wall Motor Austria Research & Development GmbH (www.gwm.at). Studium und Doktorat der Elektrotechnik an der TU-Wien, 27 Jahre Berufserfahrung als Ingenieur und Manager in verschiedenen Positionen der internationalen Elektronik- und Automobil-Industrie.